Herz-Jesu-Brauch in Kartitsch
Fensterbilder – Kurs
Ein furchtbarer Krieg, ein Schwur und eine tiefe Gottverbundenheit setzten vor über 200 Jahren den Startschuss für einen der schönsten Bräuche in Tirol.
In der großen Verzweiflung des nahenden Angriffs von Napoleons Truppen, die an den Tiroler Landesgrenzen bereitstanden, vertrauten unsere Vorfahren in ihrer Not das Land dem „Heiligsten Herzen Jesu“ an und baten um göttlichen Beistand. Sie gelobten, jedes Jahr den Schwur zu erneuern und feierlich zu begehen, wenn das Land verschont bliebe. Dieses sogenannte Herz-Jesu-Gelöbnis wurde zu einem wichtigen Symbol des Tiroler Zusammenhalt. Die Bergfeuer selbst entwickelten sich als sichtbares Zeichen dieses Gelöbnisses und verbinden religiöse Verehrung mit einer eindrucksvollen alpinen Tradition. Heute noch wird der Brauch der Bergfeuer, besonders in einigen Teilen Ost- und Südtirols, stark gepflegt.
Besonders eindrucksvoll wird diese Tradition bei uns in Kartitsch gelebt. So erstrahlen jedes Jahr bei guter Witterung zahlreiche christliche Symbole wie Kreuze, Herzen, Schriftzüge, … von den Berghängen sowie Einzelfeuer entlang der Gebirksketten und sind kilometerweit sichtbar.
Doch unser Dorf hat darüber hinaus noch eine ganz eigene Tradition: die Herz-Jesu-Fensterbilder.
In zahlreichen Häusern des Dorfes erstrahlen hinter den Fenstern kunstvoll gestaltete, bunte Bilder die in der abendlichen Dämmerung für eine besondere Atmosphäre sorgen.
Ende März bis Mitte April haben 11 Kursteilnehmende unter der Anleitung von Martin Comploi aus Toblach wunderschöne Fensterbilder für das Herz-Jesu-Fest gestaltet. Verschiedenste Motive, von der Hl. Kommunion, dem Herzen-Jesu, Kreuze, dem Boot auf dem See Genezareth sowie versch. Jesu-Darstellungen wurden in vielen Stunden Handarbeit gefertigt.
Mit viel Geschick, Geduld und Liebe zum Detail wurden Vorlagen aufgezeichnet und ausgeschnitten, farbig gestaltet und zu leuchtenden Fensterbildern zusammengesetzt.
Dabei ging es nicht nur um das handwerkliche Können, sondern auch um den Austausch untereinander – um Geschichten, Erinnerungen und persönliche Zugänge zur eigenen Heimat. Besonders schön war auch die Hilfsbereitschaft der Teilnehmer untereinander zu spüren und zu sehen.
Wir freuen uns schon sehr darauf, die entstandenen, individuellen Kunstwerke am Herz-Jesu-Samstag Abend in den jeweiligen Fenstern zu bestaunen und zu bewundern und bedanken uns bei allen Kursteilnehmern sowie bei Kursleiter Martin Comploi.
Bäuerinnen Kartitsch, Rosa Strasser